Faulenzen ist gut für Körper, Geist und Seele. Aber wissen wir eigentlich noch, wie das geht?

Wir befinden uns gerade mitten im zweiten Corona “Lockdown”, der natürlich kein richtiger Lockdown ist, sich aber manchmal so anfühlt. Schon im Frühjahr bescherte  der erste “Lockdown” einigen von uns deutlich mehr Zeit und anderen deutlich weniger Zeit.

Auch die Medien waren voll von konträren Botschaften. War doch jetzt der perfekte Zeitpunkt, um endlich all die Dinge zu SCHAFFEN, zu denen wir sonst nicht kommen. Ausmisten, sich zuhause auf die Yogamatte schwingen, online eine neue Sprache lernen. Und gleichzeitig war der perfekte Zeitpunkt, um einfach mal NICHTS zu tun. Auf Pause zu drücken. Zu entschleunigen.

Mir gefällt letzteres gerade besonders gut. Nicht nur, weil die Wohnung ausgemistet ist und ich das mit der neuen Sprache schon aufgegeben habe. Nein, ich habe erkannt, wie wichtig es ist, auch mal nichts zu tun – und wie schwer es mir fällt.

 

Wie geht das eigentlich mit dem Nichtstun?

Ich würde behaupten, dass meine  Großeltern das Nichtstun besser beherrscht haben als ich. Sie waren fleißige Menschen und haben körperlich gearbeitet. Doch in meiner Erinnerung sehe ich sie vor allem in ihren weißen Plastikstühlen auf ihrer Terrasse sitzend in den Garten schauen. Vielleicht beobachten sie gerade die Vögel. Vielleicht träumen sie von alten Zeiten. Ich weiß es nicht. Und auch das ist natürlich ‘etwas’ und nicht ‘nichts.’ Aber sie waren in diesen Momenten nicht an ihrem Handy (wie auch), hatten keine Kopfhörer in den Ohren und hielten auch kein Buch, keine Zeitung in den Händen. Sie saßen da. Sie hörten das Vogelgezwitscher oder den Rasenmäher, sahen den Meisen zu oder rochen das frisch gemähte Gras. Sie ließen ihre Gedanken schweifen und nutzen ihre Sinne. 
 

Einfach nichts tun. Das klingt fast unverschämt!

Heute nehme ich mir das auch öfters mal vor, dieses Nichtstun. Und es fällt mir verdammt schwer. Kaum sitze ich, fällt mir noch etwas ein, was ich erledigen muss. Oder zumindest etwas, was ich noch eben aufschreiben muss, damit ich es später nicht vergesse. Dann sitze ich da und frage mich, ob das jetzt nicht verlorene Zeit ist. Zeit, die ich “besser nutzen” könnte. Z.B. zum Podcast hören oder Lesen. Letztendlich dafür, noch mehr von außen aufzunehmen.

 

Ich würde behaupten, ich habe verlernt nichts zu tun und bin gerade erst wieder dabei, es zu lernen. Wenn ich es mal schaffe ein paar Minuten nichts zu tun, fällt mir erst auf, wie “on” ich sonst immer bin. Und wie schwer es mir fällt “off” zu switchen. Das war schon mal so. Damals, nach meinem Studium und anderthalb Jahren in meinem ersten Job, habe ich mir eine fünfmonatige Auszeit genommen und bin mit dem Auto durch Australien gereist. 

 

Ich kann mich noch gut an den Moment erinnern, als ich in die Wolken blickend im Sand lag und feststellte, dass ich endlich wieder Figuren in den Wolken sehe. Es fühlte sich an, als wäre meine Kreativität zurück gekehrt.

Warum es so wichtig ist, auch mal nichts zu tun

Aber nicht nur die Kreativität profitiert vom Nichtstun. Auch für die Gesundheit ist regelmäßige Ruhe eine wichtige Voraussetzung. Neue Erkenntnisse aus der Neurowissenschaft belegen, dass unser Gehirn Zeiten der absoluten Ruhe braucht. Vernachlässigen wir dies, führt es zu Stress und Rastlosigkeit, was wiederum unserer Gesundheit schädigt. Außerdem gelingt es uns besser Entscheidungen zu treffen und uns mit unserer Intuition verbunden zu sein, wenn wir uns Auszeiten nehmen und in uns hinein hören.

Aber geht das auch hier? In Deutschland? Im November? Ich glaube schon. Wir müssen es uns nur erlauben.

 

Jeder kann nichts tun, aber nicht jeder erlaubt es sich

Angeblich muss man es sich ja erst verdienen, nichts zu tun. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen!  Ich versuche das regelmäßig umzudrehen und gebe mich am liebsten direkt am Morgen dem Müßiggang hin. Am Morgen, nach noch nicht getaner Arbeit, das ist fortgeschrittenes Nichtstun. Doch versteh mich nicht falsch, auch das ist harte Arbeit. Denn nicht selten plagt mich ein schlechtes Gewissen dabei. Selbst wenn ich besonders früh aufstehe, um ganz gemütlich auf dem Sofa in den Tag zu starten, klopft regelmäßig meine To Do Liste an.

 

Nichtstun passiert nicht einfach so nebenbei, es erfordert  Aufmerksamkeit.

Und so gesehen ist es dann doch wieder eine Tätigkeit. Eine Tätigkeit, die uns lange vertraut war und dann irgendwo verloren ging. Doch das Gute ist, wir können sie wiederfinden. Es kostet ein bisschen Mühe, aber es lohnt sich. Björn Kern schreibt in seinem Buch Das Beste, was wir tun können, ist nichts”, dass Nichtstun glücklich macht, unschädlich und umweltfreundlich ist. Nur die Wirtschaft kurbelt es nicht an. Deswegen hat man sich in Bhutan vielleicht für das BruttoinlandsGLÜCK entschieden.
 

Photo Credit: Patrick Perkins

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