Deine Berufung finden: Wie du herausfindest welcher Job zu dir passt

Wie finde ich meine Berufung? Als Career Coach ist die Beantwortung dieser Frage gemeinsam mit meinen Klient*innen der Kern meiner Arbeit. Manche nennen es Berufung, andere Traumjob, aber alle wünschen sich eine Aufgabe, die sinnvoll ist, sie persönlich erfüllt und in der sie sich selbst einbringen können, wie sie sind.

Um einen Beruf zu finden, der zu deiner Berufung wird, musst du dich erst einmal weitestgehend von den Erwartungen deines Umfelds und der der Gesellschaft sowie von Vergleichen mit anderen Menschen befreien. Stattdessen geht es darum, den Fokus auf deine eigene Persönlichkeit zu richten. Denn nur wenn ein Job im Einklang mit deinen individuellen Eigenschaften, Talenten und Potenzialen ist, kann er zu dauerhafter Zufriedenheit führen. 

Die folgenden Fragen und Gedankenanstöße sollen dich unterstützen, die ersten Schritte auf deinem Weg zu deiner Berufung zu gehen. 

Bevor ich unten darauf eingehen werde, wie Beruf und Berufung definiert werden, würde ich dich bitten, dir selbst einmal Gedanken zu machen und aufzuschreiben, was Beruf und Berufung für dich bedeuten. 

Was ist Berufung?

Fangen wir mal mit Beruf an. Auf duden.de findet man unter dem Begriff “Beruf” folgende Definition:

1. [erlernte] Arbeit, Tätigkeit, mit der jemand sein Geld verdient; Erwerbstätigkeit

Unter 2. taucht dann ein Bezug zu „Berufung” auf, allerdings mit der Anmerkung “gehoben veraltend”.

In ihrem Buch „Finde den Job, der dich glücklich macht“ weist Angelika Gulder auf eine Definition von Beruf aus dem Bertelsmann Lexikon von 1967 hin. Sie zitiert eine Ergänzung, die in heutigen Lexika nicht mehr existiert: 

„Darüber hinaus scheint es aber wesentlich für den Beruf, dass der Mensch in ihm seine Lebensaufgabe sieht, zu der er sich kraft seiner Fähigkeiten und Anlagen berufen fühlt, also eine innere Beziehung zu „seinem“ Beruf hat, für den er sich verpflichtet und verantwortlich fühlt. So wird der Beruf eine wesentliche Voraussetzung für die Entwicklung der menschlichen Persönlichkeit, da gerade die berufliche Aufgabe Raum zur Entfaltung aller persönlichen Kräfte gibt.“ 

Ich kann mich nicht daran erinnern, dass mir jemals nahe gelegt wurde, die Entwicklung meiner Persönlichkeit in den Mittelpunkt meiner Berufswahl zu stellen. Irgendwann in den letzten 45 Jahren muss  dieser Teil aus dem Bewusstsein unserer Gesellschaft verschwunden sein. Wie schade, denn auch in dem Wort “Beruf” steckt ja schon “Ruf”, also etwas, zu dem man sich berufen fühlt.

Als Berufung bezeichnet der Duden eine “besondere Befähigung, die jemand als Auftrag in sich fühlt”.

Demnach können wir unserer Intuition und Sehnsucht vertrauen, die uns zu unserer Berufung führen wird. Denn darin steckt meist eine Wahrheit, die größer ist, als das, was wir mit unserem Verstand begreifen können. 

Doch was, wenn wir nichts spüren oder den Draht zu unserer Intuition verloren haben? Dann ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um zu beginnen, in sich hinein zu horchen.

Die ersten Schritte zu einem Beruf, der zu dir passt 

Ich möchte dir hier ein paar Fragen mitgeben, durch die du anfangen kannst, dich mit deiner Persönlichkeit und deinen Wünschen zu befassen. 

Schnapp dir am besten dein Journal oder öffne ein digitales Dokument, um deine Gedanken festzuhalten.

So kannst du immer wieder darauf zurückgreifen und deine Notizen werden dir helfen, später rote Fäden in deinen Antworten zu entdecken.

 

– Was sind deine Stärken, Talente und Fähigkeiten?

Um eine Aufgabe zu finden, die zu dir passt, gilt es natürlich erst mal, sich mit der eigenen Persönlichkeit zu befassen. 

Frage dich einmal, welche Charaktereigenschaften typisch für dich sind. Denke hierbei nicht nur an den beruflichen Kontext, sondern auch an dein Privatleben. Was zeichnet dich aus? Wie würden deine Freunde dich beschreiben? Fange einfach an alle Adjektive, die dir einfallen, aufzuschreiben. Welches sind die Eigenschaften, die dich am besten beschreiben? Das sind deine Stärken.

Wirf jetzt einen Blick auf deine Fähigkeiten. Was kannst du besonders gut? Was fällt dir leicht? Wofür wirst du oft gelobt? Und vor allen Dingen: Welche dieser Tätigkeiten bereiten dir Freude? Auch hieraus lassen sich Talente und Begabungen ableiten, die dir Hinweise auf deine Berufung geben können. 

Mir wurde zum Beispiel immer widergespiegelt, dass ich gut zuhören kann, man sich mir schnell anvertrauen und öffnen kann und ich schnell Talente und Potenziale in anderen erkenne.

– Welche Interessen und Passionen habe ich? 

Womit verbringst du gerne Zeit oder – anders gefragt – wenn du mehr Zeit geschenkt bekommen würdest, womit würdest du sie gerne verbringen? Viele meiner Klient*innen tun sich schwer mit dem Begriff Passion oder Leidenschaft.  Follow your passion – schon mal gehört? Leichter gesagt als getan!

Ich tausche den Spruch daher gerne aus mit Follow your curiosity! Folge deiner Neugierde! Worauf bist du neugierig? Worüber möchtest du mehr erfahren? 

Hier lohnt es sich auch einen Blick in deine Kindheit zu werfen. Was hast du als Kind besonders gerne getan? Was wolltest du werden?

– Welche Bedürfnisse hast du? 

Was sind die Must-Haves, die ein Job für dich erfüllen muss, damit du ganz du sein kannst? Welche Rahmenbedingungen sollten erfüllt sein, damit du dich an deinem Arbeitsplatz wohl fühlst? Was gibt dir Energie?

Arbeitest du gerne mit anderen Menschen zusammen, dann sollte in deinem Traumberuf Teamwork gefördert werden. Arbeitest du gerne nach Plan oder bist du ein kreativer Chaot? Wenn deine grundlegenden Bedürfnisse in deinem Beruf nicht erfüllt werden, wirst du dich früher oder später unwohl fühlen. 

Das heißt nicht, dass es keine Aufgaben mehr geben wird, die du weniger leiden kannst oder dass du keinen Menschen mehr begegnen wirst, die herausfordernd sind – auch wenn du deiner Berufung folgst. Doch sollten diese überschaubar sein, damit du mit Energie bei der Sache bleiben kannst. 

Auch ich muss mich jetzt als Solo-Selbstständige mit ganz anderen Dingen auseinandersetzen, als vorher in der Anstellung, doch erlaubt es mir auch viele Freiheiten, nach denen ich mich lange gesehnt hatte.

– Was ist dein Warum?

Ich glaube, dass wir, um kontinuierlich und nachhaltig für unsere Arbeit zu brennen statt auszubrennen, ein Warum brauchen.

Um dahinter zu kommen, was uns antreibt, müssen wir uns erst mal davon lösen, was uns von außen vorgegeben und vorgelebt wurde.

Bist du in einem Elternhaus groß geworden, in dem ein sicherer Job und ein beständiges Einkommen unabdingbar waren? Oder ist dein Vater Unternehmer und findet die Vorstellung angestellt zu sein, völlig absurd? Hier gibt es kein richtig oder falsch, es ist aber notwendig, die Glaubenssätze, die wir durch unser Zuhause, unsere Ausbildung und durch die Gesellschaft übergestülpt bekommen haben, zu hinterfragen und zu prüfen, ob sie auch (noch) für uns gelten. 

Frage dich einmal: Was ist mir eigentlich wirklich wichtig? 

Falls dir das schwer fällt, versuche es mal mit folgenden Fragen:

  • Wenn du eine Garantie für Erfolg hättest und nichts schief gehen könnte, was würdest du tun? Was wäre dadurch anders?
  • Wenn du die Macht dazu hättest, etwas in die Welt zu tragen, was wäre es? Was würdest du gerne verändern?

Dein eigenes Warum zu finden ist eine kleine Reise und ein aufregender Prozess. In Coachings werfen meine Coachees und ich einen Blick auf die Ereignisse aus ihrem Leben, in denen sie sich besonders gefühlt haben, um zu identifizieren, was das für ihre Berufung zu bedeuten hat.

 

Von der Berufung zum Beruf

Wenn du alle oben gestellten Fragen beantwortet hast, bist du bereits einen wichtigen Schritt in Richtung Traumjob gegangen. Jetzt geht es darum, die einzelnen Puzzleteile zusammen zu fügen.

 

Mögliche Berufe durch Brainstorming finden 

Ist dir vielleicht bei der Beantwortung der Fragen schon etwas bewusst geworden? Gibt es rote Fäden, die sich durchziehen oder Zusammenhänge, die sich erkennen lassen? 

Deine Berufung muss nicht unbedingt zu einem bestimmten Beruf zugeordnet sein. Vielleicht gibt es unterschiedliche Arten und Weisen sie auszuüben oder du gehst deiner Berufung vor allem im Privaten nach. Doch wenn es dir darum geht, deine Berufung zu deinem Beruf zu machen, dann schreibe einmal alle Ideen auf, die dir in den Sinn kommen, wenn du deine Antworten zu den Fragen liest. 

Es ist an der Zeit für ein Brainstorming. Und das geht noch besser, wenn du es nicht alleine, sondern gemeinsam mit anderen machst. Teile mit einem Freund oder einer Freundin, der du vertrauen kannst, was du über dich erfahren hast und lade sie dazu ein, gemeinsam mit dir zu überlegen, was das in beruflicher Hinsicht bedeuten könnte. Überlegt einmal, welche Berufe zu deiner Persönlichkeit und zu deinen Interessen passen würden und was es für Möglichkeiten geben könnte, diese auszuleben. Mit einem Blick von außen können noch weitere Potenziale und Ideen zum Vorschein kommen, die du vorher vielleicht selbst nicht gesehen hast. 

Kleiner Tipp: An dieser Stelle ist übrigens alles erlaubt. Es geht nicht darum, den realistischen Weg zu finden auf der Suche nach der Berufung. 

 

Was sind deine Optionen?

Es wird verschiedene berufliche Wege geben, die du gehen könntest. Daher solltest du die Liste an Ideen nun verdichten und diejenigen auswählen, zu denen du dich intuitiv am meisten hingezogen fühlst.

Spüre mal in dich hinein. Gibt es Berufe, die ein besonderes Gefühl erzeugen? Vielleicht ein Kribbeln?

Was spricht dich am meisten an? Wo kannst du dich sehen? Grenze deine Auswahl ein, damit du tiefer in die Recherche einsteigen und möglichst viel über den Beruf herausfinden kannst. 

Mehr über mögliche Berufe herausfinden

Was gibt es für dich für Möglichkeiten möglichst viel über die Berufe herauszufinden, die dich interessieren? 

Ich wusste zum Beispiel ziemlich schnell, dass ich gerne mit Menschen in einem 1:1 Verhältnis arbeiten möchte und ihnen auf irgendeine Art und Weise zu mehr persönlichem Glück helfen wollte. Dafür gibt es natürlich viele Wege. Meine erste Fährte war es, Logopädin zu werden. In eigener Praxis würde ich Kinder und Erwachsene mit ihrer Sprache und Kommunikation unterstützen. Was habe ich also gemacht? Ich habe mir ein paar Tage Urlaub genommen, mich mit Logopäden unterhalten und durfte auch tatsächlich mehrere Schnuppertage machen, um zu sehen, wie eine Arbeit konkret aussehen würde.

Hör dich mal in deinem Freundeskreis und Netzwerk um. Kennen deine Bekannten Menschen, die bereits deiner Berufung nachgehen? Du wirst überrascht sein, wie offen selbst unbekannte Personen sind, jemandem, der Interesse zeigt, von ihrer Arbeit zu erzählen. Vielleicht kannst ja auch du so mal reinschnuppern. 

Verbinde dich! Die Antworten auf deine Fragen stecken da draußen in den Menschen, die mehr wissen als du. 

Hier gilt es mit Fingerspitzengefühl vorzugehen und herauszufinden, ob das gewählte Berufsbild wirklich dem entspricht, was du dir darunter vorgestellt hast. 

Eine Klientin von mir hatte im Hinterkopf Stylistin zu sein. Eines Tages während unserer Coaching Serie sah sie zwei Frauen in der Stadt eine Menge Kleider mit sich herumtragen. Ich hätte nie erkannt, dass es sich um Stylistinnen handelte, doch sie hatte den Blick dafür. Also nahm sie ihren ganzen Mut zusammen und sprach sie an. Daraus ergab sich ein nettes Gespräch und sie haben Nummern ausgetauscht. Dreimal darfst du raten, was diese Klientin jetzt macht!

Es lohnt sich auch mal in die Online Recherche zu gehen und einfach mal zu googlen oder bei Xing und LinkedIn nach Titeln zu suchen. Außerdem gibt es Websites, die Berufsbilder vorstellen, wie z.B. whatchado.com.

Den Weg zum Traumberuf aufdecken

Wenn dir jetzt ein oder mehrere Berufsbilder vorliegen, die deiner Berufung entsprechen und zu dir passen, dann solltest du jetzt herausfinden, auf welchem Weg du es schaffen kannst, in diesem Bereich zu arbeiten. Recherchiere einmal, welche Zugangsvoraussetzungen für diese Arbeit gefordert werden. Doch verliere dabei deine Euphorie bitte nicht. Bedenke, dass es vielerlei Möglichkeiten gibt, sich weiterzubilden, gerade heutzutage in dieser digitalen Welt.

Und sei geduldig. Wenn es sich wirklich um deine Berufung handelt, dann lohnt es sich auch, noch mal neu zu beginnen. So oft erwarten wir, dass die Veränderung mit einem Fingerschnips möglich ist, doch in den seltensten Fällen ist das so. 

Vielleicht gibt es da draußen auch noch gar nicht das, wozu du dich berufen fühlst. Dann sei mutig und denke groß! Prüfe einmal, ob es Bedarf gibt für deine Idee und dann suche dir Menschen, die dich bei der Umsetzung deiner Träume unterstützen können. 

Die Entscheidung

Für die meisten ist diese Phase am furchteinflößendsten. Wir denken, dass wir jetzt “richtig liegen” müssen mit unserer Wahl. Nochmals dürfen wir uns nicht verlaufen. Jetzt muss es passen. 

Oftmals schweifen auch jetzt unsere Gedanken wieder nach außen. Was denken die anderen? Was, wenn ich scheitere?

Bitte sei dir bewusst, dass die meisten Entscheidungen rückgängig gemacht werden können. Vor allem ist es erst mal nur eine Lernerfahrung. Es gibt viele Wege zu einem sinnvollen Leben und einem sinnvollen Beruf, nicht nur einen. Und gescheitert sind wir doch erst, wenn wir nach dem Hinfallen nicht wieder aufstehen, oder? Ansonsten geht’s einfach weiter!

Irgendwo habe ich mal gelesen:

Fulfillment is the journey of experience, not the destination. 

Ich weiß, dass es nicht so einfach ist, seine Berufung oder einen Beruf, der zu einem passt zu finden, wie es oft erscheint. Meistens ist es auch mit den Fragen aus diesem Artikel nicht getan, denn es ist ein komplexer Prozess und es gehören weitere Puzzleteile dazu, um ein Gesamtbild zu schaffen. Trotzdem bin ich sicher, dass dich diese Schritte schon mal auf den richtigen Weg führen werden. 

Wenn du dir einen Coach an deiner Seite wünscht, der dich durch diesen Prozess begleitet und dich unterstützt, deine Berufung zu finden, dann melde dich gerne bei mir. In einer kostenlosen und unverbindlichen Discovery Session können wir uns kennenlernen und einen ersten Blick auf deine Themen werfen. Ich würde mich freuen, von dir zu hören!   

Thoughts- & Newsletter

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Ein bis zwei Mal im Monat teile ich in meinem Thoughts- & Newsletter Neuigkeiten, Gedanken und Impulse mit dir. 

Als Dankeschön bekommst du dein Life Inventory Workbook, um eine Standortbestimmung deiner Zufriedenheit in verschiedenen Lebensbereichen vorzunehmen und persönliche Ziele in jedem Bereich festzulegen. 

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Passion led us here; Photo by Ian Schneider
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