Warum intuitive Entscheidungen oft die besseren Entscheidungen sind

Gefühlt dreht sich unsere Welt immer schneller. Neben den zahlreichen Möglichkeiten, die uns geboten werden, führt der rasante Wandel  dazu, dass wir uns oftmals überfordert fühlen. Pro Tag prasseln viele tausende Botschaften auf uns ein und unzählige Entscheidungen wollen getroffen werden. Und während wir versuchen mit all dem Schritt zu halten, was unser Leben von uns verlangt, kann es schnell passieren, dass wir  die Verbindung zu unserer Intuition verlieren.

Und meine Erfahrung ist, dass eine Pandemie, wie wir sie gerade durchmachen, es nicht gerade einfacher macht. Ja, wir gehen nicht mehr so viel raus. Verabreden uns nicht mehr ständig. Müssen nicht mehr überlegen, ob wir lieber ins Kino oder auf ein Konzert gehen wollen. Doch die neue Situation fordert neue Entscheidungen. Und die sind nicht einfacher:

Soll ich jetzt rausgehen, oder nicht? Mit wem will und darf ich mich noch verabreden? Was ist verantwortungsvoll? Und was ist überhaupt gerade erlaubt?

 

Entscheidungsermüdung – es gibt sie

Entscheidungen brauchen Willenskraft und diese Willenskraft ist nicht unerschöpflich.

Nach vielen zu treffenden Entscheidungen oder einer langen Entscheidungsfindung nimmt diese Willenskraft ab. Und damit auch die Qualität der Entscheidungen selbst. Dieses Phänomen bezeichnet man als Entscheidungsermüdung oder Entscheidungsmüdigkeit.

Das legt  nahe, dass wir nicht unbedingt bessere Entscheidungen treffen, je länger wir uns mit dem Anliegen auseinander setzen und je mehr wir wissen. Das bestätigt auch der deutsche Psychologe Gerd Gigerenzer, der in seinem Buch “Bauchentscheidungen” dazu aufruft, mehr auf die eigenen Intuition zu hören.

 

Intuition ist gefühltes Wissen

Laut Gigerenzer ist Intuition “ein gefühltes Wissen, das plötzlich ins Bewusstsein gelangt, dessen tiefe Gründe man selbst nicht kennt und das dennoch stark genug ist, uns zum Handeln zu bewegen.“1

Bauchgefühle beruhen auf überraschend wenigen Informationen. Daher erscheinen sie zunächst wenig vertrauenswürdig. Doch Experimente haben gezeigt, dass weniger Zeit und weniger Informationen sogar zu besseren Entscheidungen führen können.

Ich denke wir alle kennen dieses Gefühl: der Kopf sagt ja, doch der Bauch sagt nein. Oft stellt sich später dann heraus, dass wir mit unserem Bauchgefühl intuitiv richtig gelegen haben oder hätten. Das ist gar nicht so verwunderlich, denn auch unsere Intuition basiert auf Erlerntem, Erlebtem und Erfahrungen. Diese Ahnung, die wir in diesen Momenten haben und nicht recht verstehen können, greift also auf einen eigenen Wissensschatz zurück.

 

Die Intuition als innere Stimme hören, wenn es im Außen laut ist

Doch heute fällt es schwer bei all dem Lärm von außen unsere innere Stimme zu hören. Stattdessen werden wir oft von Angst beherrscht – der Angst, Termine nicht einzuhalten, etwas zu verpassen, nicht gut genug zu sein usw. Und da diese Angst auch ein Gefühl ist, das wir in unserem Körper, oft in der Bauchgegend wahrnehmen, ist es leicht mit unserer Intuition zu verwechseln .

 

Der Hirnforscher Gerhard Roth spricht hier von hochaffektiven Kurzschlussentscheidungen, die unter Stress, Gefahr oder unter starken Gefühlen wie großer Verliebtheit getroffen werden.Er empfiehlt in Situationen, in denen ein rationales Vorgehen nicht mehr weiter hilft, intuitive ‘aufgeschobene’ Entscheidungen zu treffen.

 

Intuitive Entscheidungen mit Abstand

Mit ‘aufgeschoben’ ist hier gemeint, dass es sinnvoll ist, ein wenig Abstand  von der Entscheidung zu nehmen, bevor wir sie final treffen. Während wir uns mit etwas anderem beschäftigen, arbeitet unser Langzeitgedächtnis für uns weiter und nimmt uns die Entscheidungsarbeit ab. Und am nächsten Tag entscheiden wir uns dann “intuitiv”, d.h. ohne weitere Pro-Contra-Listen abhaken zu müssen.

 

Um wieder in Kontakt mit unserer Intuition zu kommen, müssen wir genau das tun, wogegen wir innerlich oft am meisten Widerstand leisten. Wir müssen langsamer werden, Raum schaffen und uns von dem Lärm unserer Außenwelt lösen. Wir müssen uns im Nichtstun üben. Da das aber bei unserem rasanten Lebensstil gar nicht so einfach ist, braucht es ein bisschen Training. 

Wie verbinde ich mich wieder mit meiner Intuition?

Im Folgenden findest du daher ein paar Fragen zur Reflexion und Entspannungsübungen, die dir helfen sollen, dich wieder mit deiner Intuition zu verbinden:

  • Denke an eine Situation, in der du auf deine Intuition gehört hast und entsprechend gehandelt hast. Was war passiert und wie ist es ausgegangen? Welche Signale hast du wahrgenommen?

  • Denke an eine Situation, in der du nicht auf deine Intuition gehört hast und nicht entsprechend gehandelt hast. Was war passiert und wie ist es ausgegangen? Welche Signale hast du wahrgenommen?

  • In welchen Momenten fällt es dir einfacher, dein Bauchgefühl wahrzunehmen? Wo und wie macht es sich bemerkbar? Wie fühlt es sich an?

Ruhe und Entspannung als Voraussetzung, um die Intuition wahrzunehmen

Da die innere Stimme meist eine leise ist, ist es einfacher, sie zu hören, wenn wir uns ruhig und entspannt fühlen. Tue daher etwas, das dir hilft, langsamer zu werden und in einen entspannten Zustand zu kommen. Das geht zum Beispiel durch eine ruhige Yoga Sequenz oder eine Meditation. Nutze die Methode, die für dich funktioniert.

Eine einfache Übung ist die Entspannung durch Atmung. Die gleichmäßige und bewusste Atmung und die Konzentration auf die Atemzüge hilft den meisten Menschen dabei in einen Zustand der inneren Ruhe und Entspannung zu gelangen.

Eine weitere Möglichkeit raus aus dem Kopf und in den Körper zu kommen, ist der Body Scan. Beim Body-Scan handelt es sich um eine Reise durch den Körper. Durch ein gedankliches Abtasten („scannen“) des eigenen Körpers, richten wir unsere Aufmerksamkeit auf verschiedene Bereiche des Körpers. Gleite dafür gedanklich durch deinen gesamten Körper und nimm wahr, was du spürst. Beginne am Scheitel und ende bei den Zehenspitzen.

 

Botschaften empfangen durch intuitives Schreiben 

Intuitives Schreiben ist für mich eine der einfachsten und besten Möglichkeiten mit meiner Intuition in Kontakt zu treten. Es hilft mir, aus meinem Gedankenkarussel auszusteigen und Raum für Ruhe und Klarheit zu schaffen.

Stelle dazu eine Frage an einen tieferen Teil von dir selbst und versuche diese dann intuitiv zu beantworten. Die Frage muss nicht konkret sein. Sie kann auch vage sein, wie etwa “Was soll ich tun?”, “Was will ich lernen?” oder “Was muss ich wissen?”.

Schreib dann einfach drauf los, das Geschriebene muss für unseren Verstand keinen Sinn ergeben. Es geht nicht um perfekte Antworten, sondern darum, das aufs Papier zu bringen, was dir intuitiv in den Sinn kommt. Dabei kannst du darauf zu hören, welche Worte, Gefühle, Empfindungen oder Weisheiten auftauchen.

Sich mit der eigenen Intuition zu verbinden, erfordert ein bisschen Übung, vor allem aber Ruhe und den Glauben daran, dass wir alle dieses gefühlte Wissen in uns tragen, das uns hilft, Antworten auf unsere Fragen zu finden.

Vielleicht interessiert dich auch mein Blogpost zum Thema “Nichtstun: Warum wir wieder lernen sollten nichts zu tun”

Du wünschst dir einen Coach an deiner Seite, der dich auf deiner Reise zur mehr Klarheit begleitet? Dann melde dich gerne bei mir. Ich würde mich freuen, von dir zu hören.

Literatur:
1 Roy F. Baumeister; Brad J. Bushman, Social Psychology and Human Nature (2020)
2 Gerd Gigerenzer; Bauchentscheidungen (2008)

3  Gerhard Roth; Persönlichkeit, Entscheidung und Verhalten (2019)

 

Photo Credit: Josh Boot (Header) + Le Minh Phuong (Woman in Meditation)

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